Die Elster, die Krähe und der Geier

Die Elster und die Krähe lagen
Schon lange Zeit im Zwist;
Vom Schimpfen kam es oft zum Schlagen.
Bald siegte Macht, bald List.

Die Elster, die im letzten Streite
Mit Schmach den kürzern zog,
Sah jüngst den Geier, der nach Beute
Von Baum zu Baume flog.

“Herr Vetter”, sprach sie, “wie ich sehe,
So bist du mißvergnügt;
Mir hüpft das Herz. Ich sah die Krähe,
Die in den Wochen liegt.

Versöhnt sind wir; den Lästerzungen
Zum Trotz. Ha, Freund, sie lag,
Voll wie der Mond, den sieben Jungen,
die schön sind, wie der Tag.”

Hier schied der Geier. Was er hörte
Entflammte seine Wuth;
Zur Krähe flog er und verzehrte
Die Mutter mit der Brut.

Glaubt nicht, wer Gutes von uns redet,
Sei immer unser Freund:
Wenn sichrer Lob als Lästern tötet,
so lobt uns unser Feind.

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